Zuhören und der Einfluss auf das Lernen

von Andrew Gideon, M.S.
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Zuhören und der Einfluss auf das Lernen

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Praktische Erleuchtung von Ariel & Shya Kane

Wenn du das hier liest, hast du vermutlich schon mehr Zeit in Klassenzimmern verbracht, als du dich erinnern kannst. Vermutlich geht es in ähnlichen Zusammenhängen weiter, möglicherweise auf Konferenzen, Tagungen, Verkaufspräsentationen oder dergleichen. Du hast dein Leben lang Lehrern und Rednern zugehört, Bücher und Unterlagen gelesen, Präsentationen angeschaut. Alles, um an Informationen zu gelangen. Aber weißt du wirklich, was du tust?

Wir nennen das Lernen. Aber kennst du eine wirklich effektive Art des Lernens? Hast du dir jemals die Fragen gestellt: „Wie gut kann ich lernen?“ und „Wie kann ich besser lernen?“ Obwohl viele von uns tausende von Stunden ins Lernen investiert haben, haben wir nie wirklich gelernt, wie man lernt. Das war immer etwas, das wir einfach spontan herausgefunden haben.

Es existiert eine Technik, die einen enormen Einfluss darauf haben kann, wie du lernst. Es ist keine Studienmethode, keine Gedächtnishilfe oder ein Weg schneller zu lesen. Das wichtigste Element dieser Technik hat einen trügerisch einfachen Namen und du glaubst vermutlich, dass es sich um etwas handelt, dass du bereits tust. Sie heißt „Zuhören“. Aber lass dich nicht von diesem Namen aufs Glatteis führen. Wenn du glaubst zuzuhören, tust du möglicherweise etwas ganz anderes. Ich habe gelernt, dass das, was ich „Zuhören“ nannte, nicht das ist, was ich meine, wenn ich das Wort heute verwende.

Ich habe kürzlich einen Business Workshop von Ariel und Shya Kane besucht, der Transformation am Arbeitsplatz hieß. Teil des Seminars war es zu erforschen, was es bedeutet, wirklich zuzuhören, das was gesagt wird, bewusst aus der Perspektive desjenigen zu hören, der spricht. Wie oft hast du wohl schon bei einer Präsentation oder in einem Kurs gesessen, dich an einer zufälligen Unterhaltung beteiligt und etwas gehört, wodurch dir eine Idee kam? Mir passiert das oft. Ich hänge dann dem Gedanken nach um herauszufinden, was diese neue Information bedeutet oder wie ich sie nutzen kann. Wenn ich meine Aufmerksamkeit dann wieder auf den Sprecher lenke, bin ich ganz woanders.

Wenn der Sprecher dann etwas sagt, das sich anhört wie etwas, das ich zuvor gelernt habe, denke ich bei mir, Das weiß ich schon. Und da ich es schon weiß, oder zumindest glaube, es zu tun, interessiert es mich gar nicht, wirklich zuzuhören und es zu hören. Und dann habe ich keine Möglichkeit zu sehen, ob das, was der Sprecher sagt, neu oder anders ist. Auch wenn mir die Fakten bekannt wären, so wäre die Perspektive des Sprechers doch anders als die meine. Wenn ich wirklich zuhöre, kann ich neue Einsichten in Dinge erhalten. Wenn ich denke, Das weiß ich schon, verschließe ich mich der Möglichkeit, die Wahrheit zu hören und folglich auch etwas zu lernen. Und wenn du dich selbst sagen hörst, Das sehe ich auch so oder Das sehe ich nicht so, dann verwandelst du die Worte eines anderen in etwas, das du schon kennst. Und wieder hinderst du dich daran, wirklich zuzuhören.

Eine Absicht zu verfolgen, ist ein weiteres Hindernis fürs Zuhören. Stell dir eine Verkaufspräsentation für ein Produkt vor, für das ich mich schon entschieden habe. Dann höre ich vermutlich durch diese Absicht hindurch zu und speichere Informationen ab, die mir bestätigen, dass ich dieses Produkt kaufen sollte. Gleichzeitig filtere ich all jene Informationen heraus, die dazu dienen könnten, dass ich meine Meinung ändere, oder meinen Kauf zumindest in Frage stelle. Ich höre dem Redner nicht wirklich zu und habe eine Gelegenheit vertan, etwas zu lernen. Dieser Prozess des Filterns läuft exakt genauso ab, wenn es meine Absicht ist, das Produkt nicht zu kaufen.

Ich habe auch entdeckt, dass ich nicht zuhöre, wenn ich, während jemand anderes spricht, das übe, was ich sagen will. Das gilt ganz besonders dann, wenn ich eine Präsentation zu halten habe. Normalerweise erinnere ich mich nicht, wer vor mir gesprochen hat und schon gar nicht daran, was er oder sie gesagt hat, weil ich in Gedanken damit beschäftigt war, meine eigene Rede zu üben.

Ein letztes Hindernis, das ich gerne nennen möchte, ist „ein schlechtes Gewissen zu haben“, weil man nicht zuhört. Sich selbst zu bestrafen ist nur ein weiter Weg, um Zuhören und Lernen zu vermeiden, und es leistet keinen positiven Beitrag. Wenn du feststellst, dass du nicht zuhörst, hast du eine Wahl. Du kannst dich mies fühlen, oder du kannst deine Aufmerksamkeit von dir selbst weg und zurück zum Sprecher lenken. Wenn du klug entscheidest, versetzt du dich wieder in die Lage, zuhören und lernen zu können.

Seitdem ich die Seminare der Kanes besuche, habe ich entdeckt, dass Zuhören weit über das Lernen hinausgeht. Es geht darum, wirklich zu hören, was gesagt wird, egal, ob es von einem Lehrer, einem Kollegen, einem Supervisor oder einem Kunden kommt.

Der schlichte Akt des Zuhörens ermöglicht eine enorme Veränderung, eine Transformation dessen, was du in deinem Leben bewerkstelligen kannst. Ich bitte dich, es selbst auszuprobieren. Und wenn dir danach jemand sagt, dass du plötzlich effektiver und produktiver geworden bist und man dich gerne um sich hat, wirst du in der Lage sein, es zu hören.

Andrew Gideon hat einen Masterabschluss in Informatik. Er ist Vizepräsident und Miteigentümer von TAG Online, ein weltweiter Webprovider und Softwareentwicklungsunternehmen.

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