Du gehst nie mit dem Hund raus! (Jenseits des Zufalls)

Du gehst nie mit dem Hund raus! (Jenseits des Zufalls)

Ein Ausschnitt aus Praktische Erleuchtung

you-never-walk-the-dogDenkst du immer noch, dass deine privaten Gedanken persönlich sind? Glaubst du, dass sie deine sind und deine allein? Hast du bereits gesehen, wie deine Umgebung und die Menschen, die darin sind, einen dramatischen Einfluss darauf haben können, was und wie du denkst?

Lass uns das Phänomen deiner inneren Verbindung zu anderen Menschen und des sich Verbindens mit denen um dich herum untersuchen. Beginne, indem du dir deiner Gedankenprozesse und internen Unterhaltung bewusst wirst. Nimm die Veränderungen im Beigeschmack, Tonfall oder Inhalt dieser Gedanken war. Wenn du das, was „du” in der scheinbaren Privatsphäre deiner Gedanken sagst, entpersönlichst, musst du nicht länger den Machenschaften deines Verstandes anheimfallen. Wenn du deine Gedanken wahrnimmst, ohne sie zu verurteilen, dann wird dein innerer Kommentar nicht länger deine Handlungen und dein Leben dominieren müssen. Wer weiß? Bewusstheit (ein urteilsfreies Wahrnehmen) auf deine Gedanken zu bringen wird dich vielleicht sogar davor schützen, einen Streit zu führen, der gar nicht deiner ist!

Im Jahr 1989 erlebten wir beide hiervon ein dramatisches Beispiel. Es war zu Beginn unserer beruflichen Laufbahnen und wir waren noch nicht so stark im transformativen Lebensstil verwurzelt, wie wir es heute sind. Damals war es viel einfacher, unsere Mitte zu verlieren. Bei diesem speziellen Ereignis waren wir kurz davor, einem Paar, das uns auf Empfehlung eines Freundes aufsuchte, eine Einzelsitzung zu geben. Sie hatten den Termin per Telefon vereinbart, also hatten wir sie noch nicht persönlich getroffen. Wir kamen etwas früh im Appartement an, das wir für unser Coaching benutzten, machten uns eine Tasse Tee und fingen plötzlich an zu zanken. Als unsere Meinungsverschiedenheit eskalierte, ging das ungefähr so:

„Es wäre schön, wenn du mir hier zur Hand gehen könntest.”

„Sprich nicht in diesem Ton mit mir. Ich hab heute eine Menge getan.”

„Ach ja? Nun, du hilfst nie in der Küche. Immer mache ich den Abwasch.”

„Ach ja? Nun, du gehst nie mit dem Hund raus!”

In diesem Moment erstarrten wir vor Erstaunen. Wir hatten keinen Hund. Genau genommen hatten wir in all den Jahren, die wir zusammen waren, nie einen Hund gehabt. Wir brachen in Gelächter aus und der Zank war verflogen.

Kurz danach traf das Pärchen ein. Als wir zusammen saßen, begannen sie darüber zu diskutieren, was sie als Trennfaktoren in ihrer Beziehung ansahen. Sie legten ihre Beschwerdelisten offen: Sie tut dies nicht, er tut das nicht. Am Ende sagte es einer von beiden: „Ach ja? Nun, du gehst nie mit dem Hund raus!”

Erstaunt schauten wir uns an. Das war ein Moment jenseits des Zufalls. Wir wussten, dass jeder die Fähigkeit hatte, sich mit anderen zu verbinden, aber dies war eine dynamische Demonstration von synchronisiertem Denken, die wir nie vergessen haben. Sie kristallisierte eine Möglichkeit heraus, die uns zu einer Art von Fragestellung führte, die heute noch lebendig ist.

Vergiss nicht, dass wir noch nie einen dieser beiden Menschen getroffen hatten. Den einzigen Kontakt, den wir hatten, war über das Telefon, um einen Termin festzulegen. Und doch hat ihre Art des Seins Raum und Zeit überschritten und irgendwie haben wir ihre Essenz in unserer Situation und in unseren Umständen empfangen. So sehr, dass wir begonnen hatten, ihre Dynamik auszuagieren. Du könntest es so sehen, als ob jemand zu dir nach Hause kommt und ein Gericht zum Abendessen mitbringt. Wenn der Besuch an deiner Tür ankommt, geht ihm der Duft des Essens voraus in dein Wohnzimmer und während das Aroma durch dein Heim weht, riecht es so, als ob du gekocht hättest.

Wir sind nicht sicher, wie es geschieht. Aber wir sind sicher, dass es geschieht. Schau dich genau jetzt einmal um. Denke an die Luft, die du atmest. Wenn du durch den Raum schauen würdest oder bis zum Horizont, ausgenommen bei der Luftqualität eines nebeligen Tages, dann sagt der gesunde Menschenverstand, dass nicht viel zwischen dir und der nächsten harten Oberfläche existiert. Nun schließe ein Radio an. Schalte einen kabellosen Router für deinen Computer an. Aktiviere ein Bluetooth-Gerät oder schalte dein Smartphone ein. Es fließt Information in der Luft um dich herum und durch dich hindurch. Menschliche Wesen sind die hochentwickeltsten Empfänger auf dem Planeten, aber die Wissenschaft ist mit der Messung und Erklärung, wie das funktioniert, noch nicht hinterhergekommen.

Das nächste Mal, wenn du denkst, Ich will nicht aufstehen, oder dich dabei ertappst, wie du dich innerlich über deinen Job, deine Beziehung oder irgendeinen anderen Aspekt deines Lebens beschwerst, dann musst du das, was „du” sagst, nicht so ernst nehmen. Wenn du dich dabei ertappst, wie du bei der im Hintergrund laufenden Melodie „Ich sollte zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben weiter sein” mitsummen möchtest, dann kannst du deine Aufmerksamkeit auf andere Dinge richten. Wenn du den Impuls verspürst zu zanken, dann kannst du dich entspannen und den Impuls umgehen. (Aber, wenn du doch zankst oder dich selbst beim Beschweren wiederfindest, dann ist es deine Verantwortung – nicht die desjenigen, mit dem du jeweils in Verbindung stehst.)

Dich wohl in dir selbst zu fühlen, kann ebenso über den äther kommuniziert werden. Es ist wie eine Telefonleitung – sie geht in beide Richtungen. Du kannst die Störungen, die um dich herum auftreten, empfangen, aber Andere können deine Art des Seins ebenso „empfangen” – einschließlich deines Wohlbefindens.