Du bist ein Geschenk

von Ariel

Du bist ein Geschenk

Es war Montagnachmittag und wir hatten ein paar harte Tage hinter uns… und Nächte. Die Woche zuvor hatten Shya und ich uns beide mit Covid infiziert. Schlafen, Fieber, Schmerzen. Shyas Haut hatte sich so sehr sensibilisiert, dass wir die weichsten Laken im Haus finden mussten, oder der Schmerz aufgrund der Reibung hielt ihn vom Schlafen ab. Eine Prozedur des Antiviralen, Paxlovid, spezielle Vitamine zur Stärkung des Immunsystems, viel Schlaf und Flüssigkeit wurden zur Tagesordnung. Und doch gab es da einen erschreckenden Abend, an dem Shya an einer plötzlichen Verstopfung der Atemwege litt und Anzeichen von Sauerstoffmangel zeigte. Und während er sich jetzt erholte, so war dies ein langsamer Prozess, einer bei dem ihn seine Denkmaschine im Kopf voll im Griff hatte.

Persönliche Ängste kamen hoch: „Wird es mir jemals wieder gut gehen? Werde ich sterben?“ Diese Gedanken vermischten sich mit Sorgen über die globale Klimaerwärmung, die politische Situation in den USA, den Planeten im Allgemeinen und kreierten einen Eintopf der Negativität, der sich wie ein Tattoo in Shyas Kopf niederschlug.

Wir lagen auf unserem Bett, um uns kurz auszuruhen, bevor ich mich vorbereitete unser Montagabend-Seminar „Leben leicht gemacht“ zu leiten. Am Tag zuvor hatte ich ein zweistündiges Seminar gegeben, dass aufgezeichnet worden war für die Teilnehmer, die nicht dabei sein konnten. Mir wurde klar, dass dazu auch Shya gehörte, denn unter normalen Umständen hätte er die Veranstaltung zusammen mit mir geleitet.

Ich stellte die Aufnahme auf meinem iPad bereit, und gemeinsam schauten wir sie uns an. Obwohl dies kein normales „Leben leicht gemacht“ – Montagabend- oder Samstag-Seminar war, war es von der Natur her ähnlich. Wir sprachen über viele Dinge. Leute sprachen über Familienurlaube und wie sie eine neue Fähigkeit hatten, einfach nur mit ihren Liebsten zu sein, ohne Werturteile. Wir sprachen über ein junges Paar, die ihr erstes Haus gekauft hatten. Die Themen hatten eine Bandbreite von tiefgründig bis unbeschwert, von einem kürzlich verstorbenen Vater bis zur Freude an einem Rollerskating-Kurs teilzunehmen. Während Shya und ich zuschauten und zuhörten, kam unser Denken zur Ruhe, und wir vergaßen uns selbst, unsere persönlichen Geschichten und Covid, alles zusammen.

Um 17.00 Uhr klingelte mein Wecker und erinnerte mich daran, dass es Zeit war, das Seminar vorzubereiten. Ich war überrascht als Shya ankündigte, „Ich muss mich duschen und rasieren.“

„Wirst du heute Abend mit dabei sein?“ sagte ich verwundert.

„Ja, selbstverständlich.“

Transformation war geschehen. Mit dieser Gruppe von Leuten zusammen zu sein, und sei es auch nur per Video, war ein großartiger heilender Balsam.

Kurze Zeit später, setzen wir uns vor unseren Computer und öffneten Zoom. Einige der Teilnehmer des Abends hatten sich bereits versammelt und wir wurden voller Wärme begrüßt als unser Zoom-Monitor erschien.

„Yo Shya, Mann, es ist großartig, dich zu sehen,“ sagte Harold, einer der Teilnehmer.

„Harold, ich liebe es, dich zu sehen,“ erwiderte Shya.

„Shya hatte heute einen harten Tag,“ sagte ich, „Ihn plagen Gedankenschleifen über seine Gesundheit.“

In Harolds Gesicht breitete sich ein breites Grinsen aus. „Sei im Moment, Shya. Sei im Moment!“

Harolds Begeisterung war ansteckend. Sie war offensichtlich von ansteckender Leichtigkeit.
(Anm. des Autors: Im englischen ist dies ein Wortspiel: „ansteckende Leichtigkeit“ = communicable ease“ in Anlehnung an den gebräuchlichen Begriff „communicable disease“ = „ansteckende Krankheit“)

„Leichter gesagt als getan,“ antwortete ich.

Enthusiasmus durchdrang Harolds Stimme. „Mann, du schaffst das. Du schaffst das!“

Und da war er. Ein transformativer Augenblick. Harold tat nichts Besonderes. Er war einfach nur er selbst, ein lebender, atmender Ausdruck von Liebe und Möglichkeit.

„Lebe im Augenblick“ kann ein abgegriffenes Klischee sein. Aber in diesem Moment war es das nicht. Es war real. Es war eine Einladung. Es war eine Feier all dessen, was Harold je in seinem Leben durchgemacht hat, und allem, was wir in unserem Leben durchschritten hatten, um da hinzukommen, wo wir waren, in diesen Augenblick.

Leute haben uns oft gesagt, dass wenn sie einen Raum betreten, in dem wir sind, oder wenn sie sich zu einem Zoom-Seminar schalten, Transformation stattfindet, sogar bevor das Seminar beginnt. Ich weiß, dass das wahr ist. Ich habe es oft gesehen, wenn es geschieht. Aber es ist eine Sache es zu sehen und davon zu wissen, und eine andere, wenn es direkt mit dir passiert.

Ich schreibe diesen Artikel am Dienstagmorgen. Shya fühlt sich exponentiell besser. Tatsache ist, er war schon gut auf dem Weg der Besserung vor dem Ende des Montagabend. Mit jeder Person, die dazu kam, jeder und jede, die/der sich Ausdruck verlieh, geschah eine Transformation.

Es war nicht das, was Harold tat, was transformativ war. Was von Bedeutung war, war seine Präsenz – sie war ein Geschenk. Er war ein Geschenk.

DU bist ein Geschenk.

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