Es war an einem warmen Augustabend und immer noch hell draußen, als Ariel und ich das Yardam betraten, ein uriges Restaurant in Orleans auf Cape Cod in Massachusetts. Das kleine Lokal war dunkel, mit Holzsitzecken, die schon einige Jahre auf dem Buckel hatten. Als wir den Raum betraten, wurden wir von Captain Bill begrüßt, der mit einer Gruppe von Kapitäns- und Angelkollegen zusammensaß und uns einlud, uns dazu zu setzen.
Bill war in New Jersey auf dem Wasser groß geworden und hatte seine Liebe zum Ozean und zum Angeln dazu genutzt, Angelführer zu werden. Oft ließen seine Gäste ihn gleichzeitig neben sich angeln, für Bill war es wie ein wahr gewordener Traum. Zu diesem Zeitpunkt kannten Ariel und ich Bill schon über fünf Jahre und hatten ihn schon mehrfach als Führer für lokale Ausflüge in New Jersey gebucht. Nachdem er uns ein wenig besser kennengelernt hatte, erwähnte er seine Liebe für die Gegend um Cape Cod. Seit Generationen hatte es seine Familie zu dieser Landzunge an der Südostküste Massachusetts hingezogen – und er empfahl uns, dort hinzugehen, um Streifenbarsch zu angeln. Freudig nahmen wir seinen Vorschlag an und gingen mehrfach in den nächsten fünf Jahren mit Bill am Cape angeln.
An diesem Abend im Yardam, nach einem langen Tag auf dem Boot im Wind, auf dem Meer und in der Sonne, plauderten wir mit Bill und seinen Kumpeln, während wir Schüsseln mit Muscheln oder Fischsuppe – selbstverständlich nach New England-Art zubereitet – zu uns nahmen, mit knusprigem Brot und Butter. In dieser kameradschaftlichen Stille, die sich ausbreitete, als die Jungs (und Ariel) ihr Essen genossen, fing Bill plötzlich an zu sprechen.
„Shya“, sagte er, „Ich muss etwas gestehen. Erinnerst du dich daran, als wir uns das erste Mal begegnet sind?“
Natürlich erinnerte ich mich. Ariel und ich hatten gerade unser erstes Boot bekommen, Shya’s Dream, und einen Platz an der Jersey Küste gefunden, um es festzumachen. Das Problem war, ich hatte keine Ahnung, wo man angeln konnte. Während meiner Recherche stieß ich auf einen Artikel, den Bill geschrieben hatte, ein örtlicher Fliegenfisch-Angel-Guide, der die Gegend um die Raritan Bay und Sandy Hook beschrieb. Ich rief ihn an und fragte, ob ich ihn buchen könnte, damit er mir mögliche Plätze zeigen konnte, an denen ich für mich allein angeln konnte. Wir buchten eine Tour am ersten freien Tag, an dem unsere beiden Terminpläne es zuließen.
Am Abend vor meiner Buchung war alles bereit, um loszulegen, und ich war gerade zu Bett gegangen und hoffte auf etwas Schlaf vor dem Abenteuer am nächsten Tag, da klingelte das Telefon.
„Hi Bill! Ist alles in Ordnung?“, fragte ich.
„Nun, Shya, ich hab das Wetter gecheckt, und es wird ein unangenehmer windiger Tag, mit einer hohen Regenwahrscheinlichkeit. Vielleicht sollten wir uns ein anderes Wochenende aussuchen oder einen anderen Tag?“
Ich hörte mir seine Bedenken an und überlegte für einen Moment. Dann antwortete ich: „Nein, Bill, lass uns gehen. Ich habe nicht mehr viel Zeit.“
Es folgte eine kurze Stille am anderen Ende der Leitung. Ich konnte es fast hören, als Bill nickte, während er sagte, „Ich verstehe. Ich seh dich morgen früh.“
Wieder im Yardam, vor sich eine leere Suppenschüssel, lächelte Bill, während er von unserem ersten windigen, schmuddeligen Tag zusammen auf dem Wasser erzählte.
Wie wir im Sprühregen über das stürmische Wasser navigierten, wie wir tatsächlich ein paar Streifenbarsche gefangen hatten und es ein berauschender, erfüllter Tag war.
Dann drehte er sich zu mir um und sagte, „Shya, ich erinnere mich daran, dass ich den ganzen Tag, den ich zusammen mit dir verbrachte, denken musste, ‚Das ist die gesündeste todkranke Person, die mir je begegnet ist!‘“
Die Leute am Tisch kicherten und wir mussten auch kichern. Bill fuhr fort: „Zuvor hatten wir nur am Telefon gesprochen, also kannte ich dich noch nicht. Es hat dann einige Touren gebraucht, bis mir klar geworden ist, dass du genau genommen nicht krank bist, du warst lediglich… unmittelbar.“
Seither sind viele Jahre vergangen seit diesem ersten Tag, an dem ich mit Bill angeln gegangen bin. Und immer noch engagiere ich mich in meinem Leben mit Dringlichkeit, als ob dieser Tag mein letzter ist, als ob jeder Augenblick zählt.
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