Blah-Tage

von Zoe R.
Colorful collaged handwritten sign reading "Celebrate Being You!"

Blah-Tage

Ich bin Kunstlehrerin in einer Grundschule für Kinder mit besonderen Lernbedürfnissen. Ich
unterrichte Kinder ab 3 Jahren, also Kindergartenalter, bis zum Alter von 10 Jahren (5.
Klasse). Als Teil meiner beruflichen Weiterbildung kommt jedes Jahr jemand von der
Schulaufsicht und hospitiert in meinem Unterricht. Normalerweise weiß ich nicht, wann diese
Person auftaucht, und bin nervös, wenn sie auf einmal in meinem Klassenraum auftaucht,
um meinen Unterricht zu begutachten. Natürlich möchte ich mich von einer möglichst guten
Seite präsentieren – innerer Druck ist also garantiert.

Dieses Frühjahr hatte ich eine Überraschungs-Hospitation von meiner Betreuerin Jennifer*.
Ich war enttäuscht, denn sie kam an einem meiner „Blah“-Tage. Ich fühlte mich uninspiriert
und konnte mich einfach nicht aufraffen, so spritzig zu sein, wie ich dachte, sein zu müssen.
Als Jennifer hereinkam, gab ich mir Mühe, meine Arbeitsanweisungen an die Kinder flüssig
und klar zu formulieren, aber meiner Meinung nach war das höchstens mittelprächtig.

Am nächsten Tag kam Jennifer in einer Freistunde in meinen Klassenraum und wir setzten
uns zusammen. Mein erster Gedanke war: „Atme, Zoe. Du weißt, das war mittelmäßig. Also
Augen zu und durch, hoffentlich wird es nicht ganz so schlimm!“ Da sollte ich aber ganz
schön überrascht werden!

„Zoe, mir hat deine Stunde total gut gefallen und die Kinder haben sich richtig engagiert,“
sagte Jennifer. „Die Atmosphäre im Klassenzimmer war so ruhig, es fühlte sich nach einem
sicheren, entspannten und kreativen Raum an.“

Als wir weiter über meine Klasse sprachen, erwähnte Jennifer sogar, dass sie die Stunde so
interessant gefunden hatte, dass sie später Zeit damit zugebracht hatte, über den Künstler
mehr herauszufinden, um den es in meiner Stunde ging.

Ich war so überrascht über diese sehr positive Rückmeldung, weil ich mich an dem Tag
wirklich platt gefühlt hatte und den Eindruck hatte, die Stunde wäre einfach nur „blah“
gewesen.

Später am Abend erzählte ich meinem Freund Austin von der Rückmeldung. Seine
Einschätzung der Situation überraschte mich erneut: „Vielleicht ist dir gar nicht klar, wie
großartig selbst deine „Blah“-Stunden sind.“

Ich hörte, was er sagte, und fühlte, dass es stimmte.

Ich glaube, das gilt für uns alle – selbst an einem scheinbaren Blah-Tag bist du für jemanden
eine Inspiration und eine strahlende Möglichkeit.

Diesen Gewinn wollte ich gern mit euch allen teilen – ohne diese Gemeinschaft wäre ich
nicht die Lehrerin, die ich bin.

Ganz liebe Grüße,

Zoe

* Jennifer ist nicht ihr echter Name.

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