Langsamer machen

Ein Ausschnitt aus SEIN Die Kraft des Augenblicks! - Unmittelbare Transformation das Leben mit neuen Augen sehen
Von Ariel & Shya Kane, erzählt von Ariel

Langsamer machen

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Es war ein kalter sonniger Tag in New Jersey, und die ersten dünnen Eisschichten bildeten sich auf unserem Teich. Wir hatten vor, an diesem Tag zum Pilates-Training zu gehen, unserer privaten übungsstunde mit einem Trainer, aber vorher wollten wir gern noch etwas Cardio-Ausdauertraining machen. Wenn das Wetter es erlaubte, machten wir gewöhnlich vor unserer Unterrichtsstunde einen Spaziergang durch die Stadt.

Obwohl die Sonne schien, gefiel uns die Kälte nicht, und daher entschieden wir uns für ein anstrengenderes halbstündiges Training auf unserem Laufband und an unseren elliptischen Maschinen. Dabei spielte sich Folgendes ab:

Zuerst stellte ich fest, dass ich ständig auf die Uhr sah: Uhh-Oh, und mich bemühte, es hinter mich zu bringen … Du weisst schon … Das, wogegen du dich wehrst, bleibt bestehen und dauert lännngger. Ich erwähnte Shya gegenüber, dass ich ständig auf die Uhr sah, und wir begannen zu plaudern, was unsere Gedanken von der Zeit weglenkte. Während wir weitermachten, scherzten und schwitzten, wurde mir allmählich klar, dass mich seit dem Vortag etwas beunruhigt hatte. In den letzten paar Tagen hatte ich etliche Fehler gemacht. Keine grossen, bloss ein Warnsignal, dass etwas in mir nicht ganz so im Lot war, wie ich es gerne gewollt hätte. Ich agierte nicht aus meiner eigenen persönlichen Mitte heraus.

Ich erwähnte es Shya gegenüber und berichtete ihm die kleinen Details, die meine Gedanken quälten. Folgendes hatte er dazu zu sagen: „Ariel, mach langsamer. Nur ein bisschen. Du versuchst, zu viel, zu schnell zu machen.”

Das war’s also. Wir beendeten unser häusliches Fitnessprogramm und fuhren dann zum Workout mit unserem Trainer. Die Unterrichtsstunde machte Spass. Ich bemühte mich nicht, sie hinter mich zu bringen. Ich übte nach besten Kräften und wir scherzten mit dem Trainer (und schwitzten weiter).

Auf dem Heimweg spürte ich meinen Körper, der sich zurück gegen den Sitz lehnte. Ich liess mir Zeit, aus dem Fenster zu schauen. Ich beobachtete die Lastwagen und Autos auf den Fahrbahnen neben uns. Und dann, als wir unsere Ausfahrt herunter von der Route 78 nahmen, starrte ich aus meinem Fenster und erblickte ein majestätisches Geschöpf, das am Rande der nahe gelegenen Anliegerstrasse entlangspazierte. Es war ein männlicher Fasan mit farbigem Halsstreifen, ein stattlicher Vogel etwa von der Grösse eines Truthahns.

„Oh, Shya, ein wunderschöner Fasan! Fahr nicht heim – biege nach rechts ab. Du musst ihn sehen!”

Shya fuhr nach rechts und brachte das Auto in der Nähe des schönsten Fasans zum Halten, den ich jemals gesehen hatte. Er trug lange Schwanzfedern zur Schau. Sein Kopf, sein Hals und seine Brust schillerten türkis, grün und kobaltblau, mit leuchtend scharlachroten Sprenkeln um seine Augen. Ich liess mein Fenster herunter, und wir sassen da und schauten ihn an und er schaute uns an. Dann liess er sich Zeit, um in das nahe gelegene Feld zu spazieren.

Shya und ich streckten gleichzeitig die Hand aus und fassten uns bei den Händen. Manchmal sind einfache Dinge, kleine Momente derart tiefgründig. Es war so, als hätte dieser Vogel uns ein Geschenk gemacht, indem er uns erlaubte, unsere Herzen mit seinem Erscheinungsbild und mit der Essenz seines Wesens zu füllen. Er hastete nicht davon, um irgendetwas zu erledigen. Er schien zu sagen: „Macht euch keine Sorgen. Es ist nicht nötig, sich zu beeilen. Alles, was ihr heute tun müsst, könnt ihr schaffen, und ihr könnt es mit Eleganz und Anmut tun.”

Dir Zeit zu nehmen und da zu sein, wo du bist, ist mit Sicherheit ein Segen. Du wirst dann nicht nur Zeuge des Lebens und erfreust dich an ihm in all seiner Pracht, sondern seltsamerweise bekommst du auch mehr erledigt.

An jenem Tag wurde ich wieder einmal an etwas Wichtiges erinnert: Manchmal musst du angespornt werden, um dich voll und ganz für etwas einzusetzen, und zu anderen Zeiten musst du langsamer machen.

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