Fotosafari-Tag

Von Ariel & Shya

Fotosafari-Tag

Für den Juliartikel des Monats, eröffnen wir euch die Details einer Fotosafari, die wir neulich bei einem Besuch in Costa Rica gemacht haben. Die Eindrücke unseres Tages werden aus Ariels Sichtweise aufgezeichnet. Nach unserer Erfahrung, kann die Beobachtung minutiöser – kleiner Momente – wundervoll sein, wenn du da bist, um sie wahrzunehmen. Wir hoffen, ihr entdeckt eure Inspiration für die Details eures Tages – wo auch immer ihr euch befindet – aus den Bildern und den „Wortbildern“ die wir anbieten.

Genießt!
Ariel und Shya

Die Affen, die wir in der Dämmerung hörten, raunend im Dach des Regenwaldes, waren definitiv Brüllaffen. Am nächsten Tag begannen sie wieder, in dem sie den Morgen mit einem stürmischen Ständchen begrüßten. Als ich unter der erwachenden Horde hindurch ging, die sich in den Ästen über mir breit gemacht hatte, hörte ich ein verdächtiges „plopp… plopp, plopp“ überall um mich herum, und rasch gab ich Shya den Rat, eine alternative Route zum Restaurantbereich zu nehmen. Ich war mir ziemlich sicher, dass die Geräusche, die ich hörte kein zufälliger Weckruf waren, eher die Markierung eines Reviers nach Affenart gegenüber den Eindringlingen.

Es war offensichtlich, dass sich mehr als nur ein dominanter männlicher Affe im Rudel befand, denn sie brüllten im Kontrapunkt, mit hingebungsvollen Obertönen, die sie in den anbrechenden Morgen sangen. Tiefe inbrünstige Klänge, ein klangvolles Crescendo wurde dem Himmel dargeboten – ein Gruß zu Ehren der Sonne, der Bäume, der Morgendämmerung.

Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen und der Kapitän holt uns ab für die kurze Fahrt hinunter zum Boot. Bald bewegen wir uns fort vom Dock. Frisch ist der Tag, bevor die Hitze einfällt um mit schwerer Hand die Luft zusammen zu pressen, bis das Atmen schwerfällt. Schräg fallen die Sonnenstrahlen durch eine hohe Wolkendecke, die Grillen bilden ein Hintergrundsummen, Vögel flitzen vorbei, ein junger Kaiman versinkt, weg von unserem Boot, Reptilienaugen blitzen. Wir fahren den Kanal hinauf, während Libellen über unseren Köpfen zufällige Muster zeichnen, und Lianen treiben im Wasser, bilden kaum wahrnehmbare Wellen.

Wir kommen in der Lagune an, deren glasklare Oberfläche überwältigend verlockend glitzert. Bald, so als ob es regnet, beginnt sich die Oberfläche zu kräuseln, wenn die Wasserwelt erwacht und die kleinen Sardinen zu fressen beginnen. Das kleinste Geräusch – ein Husten, ein Schlurfen der Füße oder der Anker, der am Ende des Bootes hin- und herrutscht – ruft eine Welle der Erwiderung hervor. Winzige Fische springen fächerförmig um uns herum in die Luft. Ein einsamer Kormoran spreizt sein Gefieder. Die Wolken spiegeln sich in zarten Reflektionen, und der violette Dunst der weit entfernten Berge umrahmt uns.

Dann, als der Tag mehr an Kontur gewinnt, beginnt ein weiblicher Tarpun  (großer, maximal 2,5 Meter lang werdender Knochenfisch – Anm. des Übersetzers) uns zu begleiten, sich faul tümmelnd, Wasser spritzend, sie neckt uns mit ihrer verlockenden Gegenwart, während Shya im Bug des Bootes in Position steht, die Angelrute bereit. Unsere Welt ist ruhig aber lebendig. Das klare Wasser der Lagune mixt sich mit der schokoladefarbenen Strömung des Kanals. Großartige Lichtbogen von Köderfischchen umrahmen den Pfad des fressenden Tarpuns unter der Oberfläche.

Shya wirft die Angel aus, holt die Leine ein. Wirft wieder aus. Der Kapitän bringt das Boot still mit einem Elektromotor, der so konstruiert ist, dass er Lärm minimiert, wieder in Position, Mehr Würfe. Die Sonne steigt höher. Hitze. Schweiß. Warten. Wieder auswerfen. Das Wasser explodiert. 100 Pfund geballte Wut schießen in den Himmel, Tropfen sprühen, riesige Schuppen blitzen in der Sonne. Ein atemloser Tanz. Shya holt sie heran, der Führer hebt sie hoch, damit wir sie sehen können und entlässt sie dann wieder zurück in ihr Heim.

Die meisten Leute denken, dass wenn Shya und ich Angeln gehen, es dabei nur darum geht, Fische zu fangen. In Wirklichkeit geht es nur um Hiersein – was auch immer wir tun. Und es geht nur um das Hiersein bei den minutiösen Details des Erlebens. Denn im Detail liegt sie, die Fülle des Lebens, dort offenbart sie sich.

 

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