„Das Leben liegt in den Blinis“

von Eric – Brooklyn, New York

„Das Leben liegt in den Blinis“

Ein Auszug aus „Being Here…Too“ Von Ariel & Shya Kane

Meine Großmutter mütterlicherseits, Dora, kam als Kind nach Amerika aus einem winzigen Dorf in Osteuropa. Eine meiner schönsten Erinnerungen an sie war, dass sie großartige Blinis machte, dünne crêpe-ähnliche Pfannkuchen, mit pikantem Käse gefüllt. Als ich ein kleiner Junge war besuchte ich sie in der Bronx in New York City, und wir gingen gemeinsam in den Krämerladen, mein kleine Hand in ihrer, um frische Zutaten zu besorgen. Dann kamen wir zurück in ihre Wohnung, und ich schaute ihr dabei zu, wie sie meine geliebten Blinis zubereitete. Sie kochte nie nach Rezept. Alles machte sie per Augenmaß oder auswendig. Der beste Teil von allem war es, sie zu essen. Meine Großmutter kniff mich gerne in die Wange und übermittelte mir ihre Liebe durch Essen. Und ihr Essen, von Blinis über Hühnersuppe bis zu gehackter Leber war herausragend.

Im Gegensatz hierzu hatte ich mich meiner Mutter nicht so nah gefühlt. Während mein Vater und ich in meinen frühen Teenagerjahren uns gerne Witze erzählten und ein gemeinsames Interesse an Musik hatten, entschied ich, dass meine Mutter stoisch, kalt und unfähig war, mit mir emotional in Kontakt zu treten. Wir unterhielten uns selten, und auch ihre Kochkunst gefiel mir nicht.

Irgendwann entschied ich, dass ich nicht mehr in Zusammenhang gebracht werden wollte mit der Familie meiner Mutter: Osteuropäische Juden. Ihre Abstammung, Religion, Sprache, Gebräuche, und selbst ihr Essen, das beinhaltete auch meine ehemals so geliebten Blinis, waren mir peinlich geworden. Bequemerweise vergaß ich auch all die harte Arbeit und die Opfer, die meine Familie gebracht hatte, damit ich das Leben führen konnte, das ich für selbstverständlich hielt. Ich vergaß, dass meine Mutter für Dinge bezahlt hatte – meinen Cellounterricht, eine teure Privatuniversität, und die finanzielle Unterstützung, die sie mir zukommen ließ, als ich mich mit erheblichen persönlichen Problemen herumschlug – gar nicht erst zu erwähnen, ihre unerschütterliche moralische Unterstützung.

Die Jahre vergingen und die Kluft zwischen mir und meiner Mutter vergrößerte sich. Als meine Eltern umzogen nach Florida, war es für mich nie vorrangig, sie zu besuchen, obwohl meine Mutter sich die Zeit nahm, mich zu besuchen. Als ich als professioneller Schauspieler besetzt wurde in Theaterstücken in Boston und New York City, kam meine Mutter jedes Mal, um meine Aufführungen zu sehen. Nach den Shows traf sie sich mit mir, umarmte mich und bevor ich die Chance hatte, sie zu fragen, was sie von meiner Darbietung hielt, würde sie mir ins Ohr flüstern, „Du warst der Beste.“

Als ich begann an Unmittelbare-Transformations-Seminaren mit Ariel & Shya teilzunehmen, sah ich, dass ich vorgefasste Ansichten hatte in Bezug auf meine Mutter. Ich sah sie nicht so, wie sie war. Ich sah sie so, wie ich mir vorstellte, dass sie war. Das ist nicht dasselbe. Meine Gedanken über sie waren eingefärbt durch einen Filter, den ich installiert hatte als missmutiger unsicherer Teenager, der verzweifelt versuchte dazuzugehören. Als ich diesen wichtigen Unterschied erkannte, war ich in der Lage, meiner Mutter wahrhaft zuzuhören, was sie zu sagen hatte, und die Dinge aus ihrer Perspektive zu betrachten. Ich sah ihr liebevolles Wesen und Handeln, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart, weil sie plötzlich nicht mehr überkreuz waren mit meinem eigenen sehr entschiedenen Standpunkt. Plötzlich konnte ich mich an die Umarmungen erinnern, an die Käse und Marmeladensandwiches ohne Rinde. Ich konnte mich sogar daran erinnern, als ich durch meine „lila Phase“ ging, strickte Mama mir einen lila Pullover. Er war gut gemacht, aber im Rückblick war das keine großartige Farbentscheidung, die ich da für mich getroffen hatte. Als Ergebnis meiner neuen Perspektive, wurde unsere Beziehung enger und süßer.

Meine Großmutter Dora lebt schon lange nicht mehr. Meine Mutter ist einundneunzig und ihre Gesundheit und ihr Erinnerungsvermögen werden schwächer. Sie ist auf einen Rollstuhl angewiesen, und obwohl ihr Langzeitgedächtnis grundsätzlich gut ist, ist ihr Kurzzeitgedächtnis nicht mehr existent. Sie erinnert sich an meinen Vater, aber nicht daran, dass er schon seit zwanzig Jahren tot ist.

Kürzlich bin ich nach Florida gereist, um sie zu besuchen. Zuerst dachte sie, ich wäre ein Arzt, das war kein Totalverlust. Ich bin Anwalt und Literaturagent, aber sie hatte immer davon geträumt, dass ich Arzt werde, und für sie war ich einer. Sie erzählte mir, wie gut ihr meine Comedy-Show gestern abend gefallen hatte (vor einigen Jahren war ich Stand-up-Comedian), obwohl sie fand, dass ich ein wenig zu lang gemacht hatte. Selbstverständlich hatte es keine Vorstellung gegeben, aber sie war glücklich, ganz besonders, weil sie hier im Apartment meiner Freundin Oprah wohnen durfte. Es gefiel mir, zu hören, dass ich eng mit Oprah Winfrey befreundet bin.

Ich war nicht verärgert über die Verwirrung meiner Mutter. Solange sie nicht deprimiert oder verängstigt war, war ich dabei, an ihrer Seite in ihrer Realität. Aber sie aß nicht, und ihre Krankenschwestern und Pflegehilfen machten sich Sorgen.
Ein zusätzlicher Nutzen aus meiner Teilnahme and den Seminaren der Kanes ist, dass ich sehr intuitiv geworden bin. Präziser ausgedrückt, ich erlaubte meiner Intuition das zu überwinden, was gewöhnlich mein mir innewohnender abwehrender Zweifel war.

Ich wusste es aus meinem Bauch heraus, das Blinis den Appetit meiner Mutter wieder anfachen würden. Ich fragte die ärztlichen Fachkräfte, ob es Bedenken gab bezüglich Fett, Salz oder irgendwelche sonstigen Ernährungsvorbehalte. Sie sagten, dass meine Mutter Kalorien benötigte, and an diesem Punkt wären jedwede Kalorien gut. Ich fuhr zum nächstgelegenen Feinkostladen in der Nähe ihres Hauses, und auf dem Heimweg füllte sich mein Auto mit dem Aroma von Blinis und Suppe mit Matzenbrotbällchen. Bilder vom Lächeln meiner Großmutter gingen mir durch den Kopf. Ich hörte das Tosen der Menge aus dem Yankee-Stadion, als wir durch ihre Nachbarschaft in der Bronx spazierten. Aber am allerwichtigsten, ich fühlte die Linie der Liebe, die sich durchzog von Dora durch meine Mutter zu mir. Unerwartet kamen mir die Tränen als ich durch die Straßen Floridas fuhr, weit weg von New York City. Ich war dankbar, dass ich mir selbst die Freude dieser Tränen erlauben konnte, das Aufwallen von Liebe und Zuneigung. Als meine Mutter zwei Blinis verschlungen hatte und mich anlächelte, war ich erfüllt von Dankbarkeit für Unmittelbare Transformation. Mein Erbe ist reich und voller Liebe und Leben. In diesem Augenblick entdeckte ich wieder, dass das Leben in den Blinis liegt.

Dies ist ein Auszug aus „Being Here… Too“ dass momentan hier vorab bestellt werden kann. Es ist wird in Druckform erhältlich sein bei Amazon und überall wo Bücher verkauft werden am 12. November 2018.