Artikel des Monats

von Ariel Kane

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Leben auf der Kante – Eine Frage der Perspektive

mountain goat

Als unser Flug vom Helikopter-Terminal in der Nähe von Smithers in Britisch Kolumbien abhob, beobachtete ich im Fenster neben meinen Füßen, wie der Boden verschwand. Ich saß glücklich angeschnallt hinter der linken Frontseite des Helikopters auf dem Co-Pilotsitz, den ich mit Beschlag belegt hatte. Shya saß auf dem Rücksitz, zusammen mit zwei anderen Passagieren, die sich auch auf dem Weg nach Babine River befanden, um eine Woche lang Regenbogenforellen zu angeln. Wie vom Piloten vorgeschlagen, hatten wir alle unsere Headsets aufgesetzt und das Mikro nah am Mund platziert, damit wir während des 20-minütigen Fluges miteinander kommunizieren konnten. Die Headsets erwachten knisternd zum Leben, zischend und mit statischen Geräuschen, aktiviert durch meine Stimme als ich sagte, „Ich hoffe, wir sehen heute einige Schafe“.

Dies war unsere dritte Reise zum Babine River, und in früheren Jahren hatten uns Andere, die auch diesen Flug genutzt hatten, von Dickhornschafen berichtet und anderen Tieren.

Shya schaltete sich ein. „Oder einen Elch oder einen Bären.“

„Ja, irgendwas,“ erwiderte ich.

Der Himmel war blau und voller Wölkchen und wir flogen sanft dahin. Als wir den Bergkamm passierten in einer Höhe von knapp zweitausend Metern, sagte der Pilot:

„Dort,“ er zeigte auf einen weißen Fleck auf seiner rechten Seite. „Das ist eine Bergziege.“

Als wir die Distanz verringerten, kam die Mutterziege ins Blickfeld, und ich sah, dass sich das Tier am Rande des Gipfels ausruhte, die Beine unter sich gefaltet. Als sie uns kommen hörte und sah, sprang sie auf die Beine und durchdachte ihre Optionen – den Berg wieder heruntersteigen mit dem sanften Hügel im Rücken, oder auf die andere Seite springen, die steile Klippe hinunter. Ohne Zögern trat die Ziege zur Seite in die dünne Luft und landete auf einem winzigen, aus meiner Sicht kaum wahrnehmbaren, Vorsprung. Es war eine gemächliche Bewegung, ohne Eile, als ob sie vom Bordstein eines Gehweges heruntertreten würde.  Ich nahm an, für sie war es so normal, wie für mich das Überqueren einer Straße.

Als wir weiterflogen und sie wieder zu einem Fleck in der Entfernung wurde, hüpfte mein Denken zurück zu einer Erfahrung, die ich in New York gemacht hatte. Shya und ich warteten vor Bloomingdale‘s auf Manhattans Upper East Side darauf, die Straße zu überqueren. Während wir darauf warteten, dass die Ampel auf Grün sprang, ließen wir unsere Fußspitzen über die Borsteinkante baumeln. Es war ein angenehmer Augenblick und wir fühlten uns wohl mit uns selbst. Und dann hatte Shya einen Gedanken und sagte zu mir, „Ariel, schau runter und sieh dir unsere Zehen an“. Ich tat wie er sagte, ich war neugierig aber konnte nicht erkennen, was er mich Besonderes anschauen lassen wollte.

„Keine große Sache, nicht wahr?“, sagte er.

„Jep.“, antwortete ich.

„Aber stell dir mal vor, wir wären zehn Stockwerke hoch oder vielleicht fünfzig. Unsere Beine wären nicht weniger fähig. Wir wären nicht weniger stabil, aber wir würden es wahrscheinlich ziemlich beängstigend finden. Der Anschein von Gefahr würde uns weiche Knie bescheren und einen Adrenalinstoß!“

Mit geschlossenen Augen war es nicht schwer sich vorzustellen, sehr hoch über der Straße zu stehen, mit den Zehen über einem jähen Abgrund hängend. Aus eigenem Willen öffneten sich meine Augen und ich schaute Shya an und grinste. In einem kurzen Augenblick hatte ich ein Klima von Furcht und Gefahr kreiert, obwohl dort nichts dergleichen existierte.

Manchmal, wenn ich ein neues Projekt beginne, oder wenn ich mich in den Vorbereitungen zu etwas Neuem befinde, das eine Herausforderung darstellt, dann kommt mir der Gedanke, dass ich der Herausforderung nicht gewachsen bin, dass ich nicht weiß, wie ich‘s machen soll, dass es (was auch immer es ist) schwierig umzusetzen sein wird. Aber mir ist etwas klar geworden: Wie diese Mutterziege, bin ich dazu geschaffen, über diese Kante zu treten, hinein ins Ungewisse, hinein in das, was als Nächstes dran ist, und mein Tritt wird sicher sein – selbst wenn ich auf die Schmalste aller Kanten trete. Mir ist klar geworden, dass darin zu investieren Angst zu haben oder darin, mich als fähig zu betrachten, ist allein eine Frage der Perspektive.

Seit 1987 haben die international gefeierten Autoren, Seminarleiter und Business Consultants Ariel & Shya Kane Menschen dabei begleitet und unterstützt aus dem Sumpf der Gedanken in die Klarheit und Brillanz des Augenblicks zu gelangen. Um mehr über die Kanes und ihre Transformative Gemeinschaft zu erfahren, oder um dich für ihren Email-Newsletter anzumelden, besuche ihre Website unter: www.unmittelbare-transformation.de Ihre preisgekrönten Bücher gibt es auch auf deutsch: „Lebe im Augenblick: Verwandeln statt Verändern- Die Erfahrung der Unmittelbaren Transformation” , „Das Geheimnis wundervoller Beziehungen- Durch unmittelbare Transformation”, „SEIN – Geschichten mit erleuchtender Wirkung zum Lachen, Weinen, Mitfühlen und einfach nur Mensch sein” , „Partnerschaften wie im 7. Himmel – Eine neue Sichtweise mit wundervollen Auswirkungen auf Dating, Beziehungen, und Ehe”, sind im Windpferd Verlag erschienen und im Buchhandel oder bei amazon.de erhältlich. Ihr neustes Buch „Being Here…Too“ ist im November 2018 erschienen und ebenfalls auf amazon.de erhältlich.