Artikel des Monats

von Shya Kane

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Die Saat der Freundlichkeit pflanzen

Es war fast April und am 8. würde ich sechs Jahre alt werden. Dieser Meilenstein sollte mit Geschenken, meinen Lieblingsgerichten und einem selbstgebackenen Schokoladen-Geburtstagskuchen mit leckerem weißen Guss gefeiert werden. Meine Eltern planten auch eine Geburtstagsfeier für mich und sie wollten, dass ich alle Kinder meiner ersten Klasse einlade, um den Tag zu feiern. Stellt euch vor, 18 kleine Jungen und Mädchen, die wie wild durch den Wald hinter unserem Haus herumrennen, mit mir im Zentrum der Aufmerksamkeit. Oh, was für ein Spaß!

Es gab nur einen Haken: Ich wollte alle einladen außer einem kleinen Jungen, „Karl“.

Aus irgendeinem Grund hatte ich entschieden, dass ich Karl nicht mochte und ihn nicht dabei haben wollte. Nach all diesen Jahren erinnere ich noch nicht einmal den Namen des Jungen, und ich kann mich auch nicht daran erinnern, was ich an ihm falsch fand. Es ist schwer zu sagen. Ich war jung genug und so leicht zu beeindrucken, dass ich, wenn ich jemanden anders sagen gehört hätte, Karl sei ein Mistkerl, diese Meinung einfach übernommen hätte, ohne zu sehen, ob es wahr wäre. Vielleicht war er irgendwie anders als ich. Vielleicht hatte ich auch schon die Haltung übernommen, dass es eine Gruppe gab, die „in“ war, und eine, die „out“ war, und hatte entschieden, dass Karl out war. Oder vielleicht war er einer der Jungen, die die Fahrerin meines Schulbusses nicht mochte (sie hatte da eine klare Meinung) und ich hatte ihre Einstellung übernommen. Es kann sogar einfach zufällig gewesen sein – ein Edikt meines kindlichen Geistes. Zum heutigen Zeitpunkt weiß ich es nicht. Was ich weiß, ist, dass meine Mutter davon nichts hören wollte.

Mama hockte sich hin, so dass sie auf Augenhöhe mit meinem fünfjährigen, fast sechsjährigen Selbst war, und versuchte es mit guter alter Vernunft.

„Ariel, stell dir mal vor, wie es wäre, wenn jeder eingeladen wäre zu einer Party außer dir. Stell dir vor, wie verletzt du dich fühlen würdest. Du würdest nicht zur Schule gehen wollen, wo jeder von einer Party redet, bei der du nicht eingeladen warst.“

„Aber ich will ihn da nicht!“ rief ich in einem kindlichen Wutanfall.

Es wurde schnell klar, dass Vernunft nicht immer durchdringt.

„Na gut,“ sagte meine Mutter und stellte sich wieder aufrecht hin.

„Dann eben keine Party. Entweder kommen alle oder keiner. Du hast die Wahl,“ sagte sie und ging weg.

Was für eine Trumpfkarte das war. Was für eine zwingende Auswahl sie mir anbot. Aber auch eine freundliche.

Ich kann euch gar nicht sagen, wie lange ich brauchte, bis ich mich ihrer Denkweise anschloss, aber die Party fand statt. Und es wurde im Wald herumgerannt an jenem glorreichen Tag im April. Die Kinder und die meisten ihrer Namen sind im Nebel des Vergessens versunken. Der Kuchen ist auch nur noch ein Hauch von Erinnerung. Aber die Saat der Freundlichkeit, die meine Mutter in jenem Frühling pflanzte, vor mehr als einem halben Jahrhundert, hat Wurzeln geschlagen und ist aufgeblüht. Die Blumen von der Aussaat blühen heute immer noch.

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